Arbeit und ... Trauma

Öffentliche Veranstaltung


‚Trauma‘ kommt aus dem Griechischen und bedeutet ‚Wunde‘. Dieses Gespräch und Lyrik-Lesung greifen diese Bedeutung auf und schauen auf die psychischen wie körperlichen Wunden der polnischen Zwangsarbeiter*innen und deren Nachkommen in Polen und in Deutschland. 


Während des Zweiten Weltkriegs mussten circa zwei Millionen Pol*innen in der deutschen Kriegsindustrie, in Großbetrieben, auf Bauernhöfen oder bei Privatpersonen Zwangsarbeit leisten. Dieses NS-Verbrechen wurde in der deutschen wie polnischen Öffentlichkeit kaum thematisiert, die Personen wurden lange nicht als eine Opfergruppe anerkannt. 


Zusammen mit den Historikern Roland Borchers und Jakub Gałęziowski sowie dem Schriftsteller Matthias Nawrat fragen wir: Welche Bilder und Emotionen prägen ihre Erinnerungen? Welche ‚Wunden‘ kommen dabei konkret zur Sprache? Gibt es überhaupt eine gemeinsame Sprache für diese Verwundungen und wird diese gehört? Kann Sprache Heilung bringen? Wie denken ihre Nachfahr*innen in zweiter und dritter Generation daran – in Polen und in Deutschland? Welche Resilienzen ergeben sich aus diesen Traumata? 


Über unsere Gäst*innen


Roland Borchers studierte Geschichte, Polonistik und Politik in Berlin, Wien und Warschau und war seit 2009 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Osteuropa-Institut der FU Berlin. Aktuell ist er stellvertretender Leiter des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit in Berlin-Schöneweide. Er ist der Autor von Auf der Suche nach Anerkennung. Erinnerung polnischer NS-Zwangsarbeiter*innen (2023).


Jakub Gałęziowski lehrt Geschichte an der Jagiellonen-Universität in Krakau. Seine Dissertation Niedopowiedziane biografie. Polskie dzieci urodzone z powodu wojny (Unerzählte Geschichten. Polnische Children Born of War, 2022) zu polnischen Kindern, die aufgrund des Kriegs geboren wurden, war Teil des internationalen Projekts Children Born of War – Past, Present and Future. Er ist einer der Gründer der Polish Oral History Association. 


Matthias Nawrat erhielt für seine Romane wie Wir zwei allein (2012), Unternehmer (2014) oder die Die vielen Tode unseres Opas Jurek (2015) u.a. den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis, den Bremer Literaturpreis sowie die Alfred Döblin-Medaille. Der Gedichtband Gebete für meine Vorfahren (2022) war sein Lyrik-Debüt und wurde mit dem Fontane-Literaturpreis ausgezeichnet. 


Moderation: Jadwiga Kamola ist Kuratorin am NS-Dokumentationszentrum München. In ihrer kuratorischen Arbeit untersucht sie die Kontinuitäten zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert, Faschismus und Moderne, ihr weiterer Fokus liegt auf postmigrantischer Erinnerung.


Teilnahme kostenfrei. Keine Anmeldung notwendig.